Geschichte der Lidellschule

1720 - Die Lidellschule geht in ihrem Ursprung bis auf dieses Jahr zurück, als in Klein-Karlsruhe, vielen noch als das spätere Dörfle bekannt, eine eigene Schule gegründet wurde.

1838 - wurde die Klein-Karlsruher-Schule in “Zweite Evangelische Stadtschule” umbenannt.

1852 - erhielt sie ein eigenes Gebäude in der Spitalstraße 26b.

1888 - Geburtsstunde der sonderpädagogischen Förderung. Für die schwächeren Schüler wurden Nachhilfeklassen eingerichtet.

1900 - Die “Zweite Evangelische Stadtschule” erhielt den Namen “Lidellschule”.

1974 - Umzug vom “Dörfle” in die Oststadt in das Gebäude der ehemaligen Tulla-Realschule.

1988 - 100 jähriges Schuljubiläum als sonderpädagogische Einrichtung.

2013 - 125 jähriges Schuljubiläum.

 

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Christoph Friedrich Lidell (1720-93)

Auszug aus der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 
144. Band, herausgegeben von der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Verlag W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart, 1996,
mit freundlicher Genehmigung des Verfassers Dr. Max Scheifele, Stuttgart


Die eigentliche Blütezeit des Holländer-Handels im Nordschwarzwald beginnt mit dem Auftreten des “Eisenchaland” und Handelsmannes Chr. Fr. Lidell (Lidel, Liedel, Liethel, Lidthel) aus dem württembergischen Neuenbürg, der den Grundstein für die nachfolgenden reichen Holländer-Holz-Kompagnien legt. In Neuenbürg am 11. Oktober 1720 als Sohn des Handelsmannes, Gerichtsverwandten und späteren Bürgermeisters geboren, wird er Kaufmann wie sein Vater. 1746 heiratet er Christina Augusta Kreglinger (1727-77) und bleibt zunächst in Neuenbürg wohnhaft. Seine Ehefrau ist die Tochter des baden-durlachischen Zahlmeisters, Gerichts- und Ratsverwandten Kreglinger, dem späteren Karlsruher Bürgermeister und Gastwirt “Zum König David”. Ihr Bruder Theodor Christoph, Posthalter und Wirt, “Zum Erbprinzen” in Karlsruhe, heiratet übrigens 1753 Jacobine Friederike Benckiser (1734-86), Tochter des zuvor besprochenen J.A. Benckiser aus Herrenalb.

Der junge Lidell wendet sich dann dem Holzhandel zu, wo er sich als kluger, geschickter und umsichtiger Geschäftsmann erweist, der in Gelddingen eine glückliche Hand hat. Seit 1742 ist er in der Holzkompagnie von Ph. Kiefer, Calmbach, tätig, ergreift dort wagemütig den “Goldenen Hebel des Commerces” und nutzt die sich auf dem Holzmarkt bietenden Möglichkeiten. So erwirbt er u.a. 1744 den 4. Teil an der Neuenbürger Öhlschlagssägemühle. Als der Kiefer’sche Akkord ausläuft, schließt er 1746 mit der württembergischen Rentkammer offen und genau Rechnung. Dazu bemüht er sich um die Floßbarmachung der Murg und transportiert erstmals starke Tanne vom Murgtal über den Berg an die Nagold und dann weiter auf dem Wasserweg nach Mannheim. Eine gewaltige organisatorische und technische Leistung! Dadurch erwirbt er Vertrauen und Ansehen beim Herzog, der ihn 1753 zum Kommerzienrat ernennt.

Als er 1755 durch die Calwer Handelsleute aus dem württembergischen Holzgeschäft gedrängt wird, schließt er sich der badischen Murgkompagnie (1758-88) des Pforzheimers J.J. Fauler an, die Altholzbestände östlich der Hornisgrinde ausbeutet. Er wird deren Kassier und übernimmt nach Faulers Tod gemeinsam mit dessen Schwiegersohn D. K. Wohnlich 1762 die Leitung des Unternehmens. Von dessen 48 Portionen erwirbt er als kapitalkräftiger Partner allein 11 und wird damit größter Teilhaber. Neben seinen Einkünften als Direktor hat er daraus in nur acht Jahren mehr als 45000 Gulden Gewinn erlöst. Vergleichsweise beträgt damals der Monatslohn eines Flößers etwa 20 Gulden. Nach König liegt darin auch ein Hauptingredienz des berüchtigten Liedelischen Reichthums. An Kapital gilt er den Calwern überlegen, weshalb viele in ihm vielleicht den reichsten Privatmann des Schwäbischen Kreises sehen. Mit anfangs kleinen Mitteln gewinnt er durch den Holzhandel ein großes Vermögen. Als sich 1763 Calwer und Pforzheimer Schiffer zusammenschließen, ist Lidell ebenfalls an dieser Kompagnie beteiligt.

1755 kauft Lidell, wie bereits gesagt, gemeinsam mit J. A. Benckiser das Pforzheimer Eisenwerk und erwirbt zuvor noch das Rudmersbacher Schlößle bei Weiler im Pfinztal. Zwischen den Familien Lidell und Benckiser müssen schon früher gute freundschaftliche Beziehungen bestanden haben (vielleicht sogar verwandtschaftliche?), denn Johann Adams Vater, ebenfalls Klosterwirt in Herrenalb, erscheint im Neuenbürger Kirchenbuch 1721 als Pate der Zwillingsschwestern von Christoph Friedrich. Lidell zieht dann von Neuenbürg nach Pforzheim, wo er sich später in der Lammstraße ein herrschaftliches Haus, übrigens mit einem riesigen Weinkeller, erbaut, an dem bis zur Zerstörung am 23. Februar 1945 über der Eingangstür ein kunstreiches, schmiedeeisernes Gitter mit den Initialien C. F. L. an ihn erinnert. Die neuen Besitzer modernisieren das Eisenwerk, mit dem es nach anfänglichen Schwierigkeiten dann langsam aufwärts geht. Da Benckiser in Herrenalb wohnhaft bleibt und nur zeitweise in Pforzheim sein kann, wird Lidell zum führenden Kopf des Unternehmens. Nach Benckisers Tod im Jahr 1763 führt Lidell den Betrieb allein weiter, erst 1776 tritt Christian Friedrich, der jüngste Sohn des Verstorbenen, mit in die Leitung des Eisenwerkes ein. Der Württemberger Lidell faßt im badischen Pforzheim rasch Fuß und wird dort zu einem der führenden Unternehmer, der mit Tatkraft und Weitblick nebest seinem Reichtum zu Pforzheims Aufblühen wesentlich mit beiträgt. 

In Anerkennung seiner Verdienste verleiht ihm der Markgraf den Titel Rentkammerrat. Nachdem seine Ehefrau 1777 in Pforzheim verstorben ist, heiratet der 58jährige Witwer 1778 in Rappoltsweiler/Elsaß die erst 25jährige Dorothea Sophia Steinheil, Tochter des dortigen -rentmeisters der Grafschaft Pfalz-Zweibrücken, zu der damals Rappoltsweiler gehört. Beide Ehen bleiben kinderlos. Zum Leidwesen der Pforzheimer scheidet er , 66jährig, aus der Leitung des Eisenwerkes aus und zieht 1786 in die badische Residenz nach Karlsruhe, das er zum Alterssitz gewählt hat. Hier stirbt er 1793.

Uneigennützig und freigebig hat Lidell mit seinem Reichtum stets versucht, bedürftigen Mitbürgern zu helfen, hat zahlreiche Patenschaften übernommen und Studierende, Schulseminaristen, Almosenstiftungen, sowie das Karlsruher Bürgerspital mit großen Geldbeträgen bedacht. Mit seinem Mäzenatentum ist er durchaus eine moderne Gestalt. Großzügig vermacht er 1786 in seinem Testament ungefähr 100 000 Gulden seines Vermögens für wohltätige Zwecke. Allein das neu errichtete bürgerliche Hospital zu Karlsruhe erhält die enorme Summe von 100 000 Livres französischer Währung, aus deren Zinsertrag die Pflegekosten für mittellose Patienten übernommen werden sollen. Kurz vor seinem Tode bestimmt er noch, daß dieses Vermächtnis den Namen Lidellschule Stiftung erhalten soll. Das Stiftungskapital, nach zwei Geldentwertungen auf einen unbedeutenden Betrag zusammengeschmolzen, wird nach 1948 in die Vereinigten Stiftungen der Stadt Karlsruhe überführt. Seit 1876 erinnert am Spitalplatz eine Brunnensäule mit broncener Büste des Stifters an den Industriepionier und größten Wohltäter der Stadt Karlsruhe ausgangs des 18. Jahrhunderts, die ihm zu Ehren den Platz 1893, anläßlich seines 100. Todesjahres, in Lidellplatz umbenennt. Dort blickt noch heute der freundliche, bezopfte alte Herr auf den Beschauer herab.

Die Beischaffung des Stiftungskapitals erweist sich dann noch als ziemlich schwierig. Der sonst in Geldsachen überaus vorsichtige Lidell hat nämlich, wahrscheinlich beeinflußt durch seine elsässische Verwandtschaft. 1782/83 dem Pfalzgrafen Maximilian Joseph, Herzog zu Zweibrücken, 100 000 Livres französischer Währung geliehen. In den Wirren der französischen Revolution ist diesem die Rückzahlung der Schuld nicht möglich, auch Zinszahlungen werden nicht geleistet. Als der Pfalzgraf 1806 König von Bayern wird, versucht man jahrelang, wenn auch vergeblich, in München die Rückzahlung der Privatschuld des Königs zu erreichen. Nach vielen Vorstellungen auch der badischen Regierung entschließt sich König Max I. von Bayern dann doch, die Kapital- und Zinsschuld anzuerkennen und sagt die Rückzahlung in 10 Jahresraten, beginnend 1812, zu.

 

 

   
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